E-paper - 13. Dezember 2019
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Herzenssache Brauchtumspflege

Kreisheimatpfleger Rüdiger Bauriedel aus Gesees im Interview

Rüdiger Bauriedel ist seit dem Jahr 2000 Kreisheimatpfleger im Landkreis Bayreuth. Im Kurier-Gespräch ging der in Gesees beheimatete pensionierte Kulmbacher Schulamtsdirektor auf die Schwerpunkte seiner Arbeit, auf die aktuelle Brauchtumspflege und seine Zukunftsprognosen zu den allerorten abgehaltenen Kerwaveranstaltungen ein. Einen Namen machte sich Bauriedel bis heute auch als musikalischer Leiter der Gruppen im Hummelgauer Heimatbund Gesees. Der Deutsche Sängerbund verlieh ihm den Titel „Chordirektor“, die örtlichen Chöre ernannten ihn zum Ehrenchorleiter. Aber auch als Schriftleiter und Autor des „Hummelgauer Heimatboten“ ist der 79-Jährige aktiv. Diese kulturelle Schriftenreihe bringen seit Mai 1988 die Hummelgau-Gemeinden Gesees, Hummeltal, Mistelbach und Mistelgau heraus.

Frage: Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Rüdiger Bauriedel: Bekanntlich wurden die Funktionen der Kreisheimatpfleger erst vor Kurzem neu und fachlich ausgerichtet. Aktuell sind jetzt vier Kreisheimatpfleger tätig. Mein Schwerpunkt ist aber nach wie vor „Kultur, Volksmusik und alles, was zum Brauchtum dazugehört“. Eine interessante Aufgabe, die mir Spaß macht.

Wie ist es aktuell um die Brauchtumspflege im Landkreis bestellt?

Bauriedel: Ein Beispiel für funktionierende Brauchtumspflege ist die „Rocknstubn“, die unter Federführung des Landkreises Bayreuth und von mir organisiert wird, und in den nächsten Tagen zum 20. Mal stattfindet. Der Veranstaltungsort Bindlach, Heimatort von Landrat Hermann Hübner, wurde bewusst zum Ende dessen Amtszeit gewählt. Wir suchen für diese Zwecke immer Räumlichkeiten, die auch das ansprechende Ambiente haben, so wie alte Wirtshäuser. Ich begrüße auch, dass sich immer mehr Eigeninitiativen bilden, so wie in Busbach, die dort selbst Rockn-stubn abhalten und dieses schöne Brauchtum pflegen und aufrechterhalten. Ansonsten ist die Kultur im Landkreis vielfältig ausgeprägt, vom Volkslied über Sport bis hin zu den vielen Chören. Dies ist zu begrüßen.

Wie ist es um Ihr Spezialgebiet Chöre bestellt?

Bauriedel: Leider fehlt der Nachwuchs in den Chören. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass in den Schulen nahezu nicht mehr gesungen wird. Hierzu habe ich meine eigene Meinung. Gründe dafür, dass nicht mehr so viel gesungen wird, sind die heutigen modernen Medien. Da wird niemand angeleitet, selbst zu singen. Dies geht immer mehr zurück, obwohl Initiativen von Kinderchören erfreulich zu erwähnen sind. Dass Kinder nicht mehr singen, liegt daran, dass sie keiner mehr anleitet. Welche Mutter hat noch Zeit, mit ihrem Kind zu singen? Gesang muss nicht nur emotional vom Herzen kommen, sondern es muss auch stimmlich in ihrer eigenen Stimmlage dargestellt werden. Dies ist auch Aufgabe in den Kindergärten und Schulen. Da spreche ich von Stimmheimat. Wichtig ist, die Kinderstimmen zu pflegen. Deshalb bemängele ich, dass man die Kinder nicht mehr zum Singen erzieht.

Wie ist es denn um die Zukunft der Kerwa hierzulande bestellt?

Bauriedel: Da mache ich mir keine Sorgen, so lange in den Dörfern diese in Wirtshäuser oder auch von Vereinen in Zelten hochgehalten wird. Es bleibt die alte Weisheit: Wenn es um die menschlichen Grundbedürfnisse Essen und Trinken geht, finden die Menschen zusammen. Zu begrüßen ist, dass, so auch in Gesees und in vielen anderen Orten des Landkreises, die Dorfjugend die Kerwa organisiert und auch für andere Brauchtumstermine, wie Osterbrunnenschmücken, Maibaumaufstellen oder Johannesfeuer, aktiv ist. Klar Stellung nehme ich zum Thema Gstanzl. Dieser Ausdruck ist in Oberbayern, aber nicht bei uns beheimatet. Wir sprechen in Franken beim Aufspielen der Kerwaburschen nur von Schlumperliedla oder Kerwaliedla. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt für die Definition „Heimat“. Durch die Sprache und seine Mundart bekennt man sich zu seiner Heimat.

Das Gespräch führte Dieter Jenß.

Verlagsbeilage NK vom Freitag, 13. Dezember 2019, Seite 10 (47 Views)

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