E-paper - 13. Dezember 2019
Verlagsbeilage NK

E-Paper - Auswahl
 
 

Noch heute zeigt die Innenstadt die typische Struktur eines bayerischen Straßenmarktes. Die Siedlung gruppiert sich um eine zum Platz erweiterte Durchgangsstraße, in deren Mitte das Rathaus stand. Abseits davon lag die Kirche und auf einem kleinen Hügelsporn die herrschaftliche Burg. Die älteste erhaltene Urkunde, in der Bayreuth mit einer großen Repräsentanz der damaligen geistlichen und weltlichen Herrschaft genannt wird, stammt aus dem Jahre 1194. Im Jahr 1260 fiel das Land am Obermain durch Erbschaft an die Burggrafen von Nürnberg, die als „Markgrafen von Brandenburg-Culmbach“ die Geschichte der Stadt und der Region über ein halbes Jahrtausend hinweg bestimmen sollten. Bis 1603 war die Plassenburg in Kulmbach Residenz und Zentrum des Landes. Bayreuth entwickelte sich nur langsam und wurde durch Kriege und Seuchen immer wieder geschädigt.

Mit Markgraf Christian kam die Wende

Der Wendepunkt der Stadtgeschichte war der Regierungsantritt des Markgrafen Christian im Jahr 1603. Er verlagerte seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth, wofür das hiesige Alte Schloss vielfach aus- und umgebaut wurde. Durch die neue Funktion als Residenzstadt änderten sich Bevölkerungsstruktur und Stadtbild. Aus der Handwerker- wurde eine Hofbeamtenstadt. Trotz der Bemühungen des jungen Markgrafen Christian um Ausgleich wurde er in den Dreißigjährigen Krieg hineingezogen, sodass der begonnene Ausbau der Residenzstadt stagnierte. Das flache Land und auch die Stadt Bayreuth wurden von Verwüstungen und Plünderungen der kaiserlichen Truppen heimgesucht. Nach Christians Regentschaft regierte sein Enkel Christian Ernst, an den noch heute der Markgrafenbrunnen und ein Reitermonument erinnern, das zuerst im Alten Schlosshof stand und heute den Platz vor dem Neuen Schloss beherrscht.

Ab 1701 entstand als Neugründung die Stadt St. Georgen, Lieblingsprojekt des Erbprinzen und späteren Markgrafen Georg Wilhelm. Das feudale St. Georgen bestand aus mehreren Schlossbauten und einem Altenheim, dem Gravenreuther Stift. Die Ordenskirche ist noch heute das schönste unveränderte Zeugnis der Bayreuther Hofkunst um 1700. Bis 1811 war St. Georgen eine selbstständige, von Bayreuth unabhängige Stadt.

Blütezeit unter Markgräfin Wilhelmine

Seine Blütezeit erlebte Bayreuth unter der Regentschaft des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine, der kunstsinnigen Schwester Friedrichs des Großen. Zwischen 1735 und 1763 entstanden in rascher Folge die repräsentativen Bauten und Anlagen, von denen die Stadt heute noch geprägt wird: das Markgräfliche Opernhaus, das wohl schönste erhaltene Barocktheater Europas und Unesco-Welterbe seit 2012, die Eremitage, das Neue Schloss, die Friedrichstraße und der Hofgarten. Wilhelmine unterhielt ein Opernensemble, eine Ballett- und eine Schauspieltruppe. Markgraf Friedrich gründete 1742 in Bayreuth eine Universität, die jetzige Universität Erlangen, und 1756 eine Kunstakademie. Die wertvollen markgräflichen Kunstsammlungen, bestehend aus Gemälden, Antiquitäten, Porzellan und vielem mehr, wurden durch die unglücklichen politischen Verhältnisse des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts zerstreut oder vernichtet.

Das Ende Bayreuths als Residenzstadt war 1769 gekommen, als das Fürstentum aufgrund eines Erbvertrages an den Ansbacher Markgrafen fiel. 1792 wurde Bayreuth preußisch. Ab 1806 hatte die Stadt stark unter der napoleonischen Besatzungsmacht zu leiden, die immer wieder Kriegskontributionen erpresste.

1810: Bayreuth wird bayerisch

Der Übergang an das neu formierte Königreich Bayern brachte wieder eine geordnete Verwaltung. 1818 wurde die bayerische Gemeindeordnung eingeführt, womit die Stadt hauptberufliche Bürgermeister bekam. In Fortführung der verlorenen Funktion als Residenzstadt wurde Bayreuth Sitz der Regierung des Obermainkreises, der späteren Regierung von Oberfranken.

Ein großes Problem um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Eisenbahnanschluss. Die Präferenzen des bayerischen Königreichs für weit von Bayreuth entfernt gewählte Streckenführungen brachten die Stadt beim neuen Eisenbahnnetz ins Abseits. Nur zögerlich siedelte sich Industrie an. Es waren hauptsächlich Spinnereien und Brauereien, die größere Betriebe errichteten.

Richard Wagner

Das beschauliche Dasein der fränkischen Kleinstadt fand ein Ende, als 1876 die Richard-Wagner-Festspiele ihren Anfang nahmen. Schon 1873 hatte Richard Wagner sein Wohnhaus, von ihm „Wahnfried“ genannt, bezogen. Die Stadtväter erhofften sich von den Festspielen zu Recht eine starke Belebung und Fortentwicklung. Nach dem Tod Wagners wurde das Festspielunternehmen von seiner Witwe Cosima fortgeführt. Hochrangige Musiker und Literaten, aber auch immer mehr Prominenz aus Wirtschaft und Politik unter den Besuchern sorgten dafür, dass sich die Bayreuther Festspiele ab 1888 im kulturellen und gesellschaftlichen Leben Europas fest etablierten.

Die Stunde Null

Die besondere Rolle, die Bayreuth und Wagner in der Ideologie Adolf Hitlers spielten, musste die Stadt 1945 büßen. Gerne hatte man sich als „Kraftzentrum des Nationalsozialismus“ feiern lassen und Hitler mit seinem engeren Umkreis als regelmäßige Festspielgäste bejubelt. In den letzten Kriegswochen wurde die Stadt schwer bombardiert und zu einem Drittel zerstört, wobei rund 1 000 Menschen ums Leben kamen.

1975: Wieder Universitätsstadt

Durch zahlreiche Neubauviertel dehnte sich die Stadt nach dem Krieg weit in ihre Umgebung aus. Die alte Behörden- und Verwaltungsstadt hat sich seither zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort, einem modernen Dienstleistungszentrum sowie einer Stadt der Gesundheit und des Sports weiterentwickelt. Die Festspiele begannen wieder im Jahr 1951. Das bedeutendste Ereignis der Nachkriegsgeschichte aber ist zweifellos die Gründung der siebten Bayerischen Universität, die 1975 den Lehrbetrieb aufnahm.

Städtepartnerschaften

und Netzwerke

Bayreuth hat in den vergangenen Jahrzehnten intensive Kontakte nach Westen wie nach Osten geknüpft. Ein sichtbarer Ausdruck hierfür sind die Städtepartnerschaften: 1966 wurde eine solche Verbindung mit dem französischen Annecy eingegangen. Diese Jumelage hat sich in über fünf Jahrzehnten bestens bewährt und gilt heute als modellhaft für die deutsch-französischen Beziehungen. Noch vor dem Fall der Mauer wurde eine Städtepartnerschaft mit Rudolstadt/Thüringen angebahnt, die auch nach der deutschen Wiedervereinigung – gerade im Hinblick auf den Aufbau der neuen Bundesländer – eine Vielfalt an Kontakten und gegenseitigem Kennenlernen initiiert hat. Im kulturellen Bereich wurde 1990 durch die Kulturpartnerschaft mit dem österreichischen Burgenland eine weitere Brücke geschlagen. Die Verbindung entstand vor dem Hintergrund der Biografie Franz Liszts, der im burgenländischen Raiding geboren wurde und in Bayreuth starb. Seit 1999 besteht eine Städtepartnerschaft mit La Spezia in Italien. Anknüpfungspunkt ist auch hier die Biografie Wagners, der bei einem Aufenthalt in La Spezia die Eingebung für sein „Rheingold“- Vorspiel hatte. Seit 2008 pflegt Bayreuth eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem 6. Stadtbezirk der tschechischen Hauptstadt Prag. Hinzu kam 2012 die Städtepartnerschaft mit der türkischen Kommune Süleymanpasa (ehemals Tekirdag). Sie widmet sich vor allem den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft.

Im Rahmen des Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes kooperiert die Stadt seit Mitte der 90er-Jahre mit Hof, Plauen, Zwickau und Chemnitz in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus. Die Stadt spielt zudem eine aktive Rolle in der Metropolregion Nürnberg.

Verlagsbeilage NK vom Freitag, 13. Dezember 2019, Seite 23 (36 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE