E-paper - 13. Dezember 2019
Verlagsbeilage NK

E-Paper - Auswahl
 
 

Wie Bindlach zum Bären kam

Symbol für Mut, Stärke und Zusammengehörigkeit: Der Bindlacher Bär ist in der Gemeinde allgegenwärtig.

Groß und Klein kennt ihn, den Bindlacher Bären, der mit seinem Treiber im jährlichen Festumzug der Bären-Kerwa von der Ortsmitte hinauf zum TSV-Gelände „steppt“ und von den Zuschauern bejubelt wird. Er ist zutraulich und mag die Menschen, besonders die Kinder. Das Zotteltier hört sogar auf den Namen „Hasso“.

Dieses „Bären-Treiben“ hat eine 90-jährige Tradition. Der im Jahr 1903 gegründete Sportverein TSV Bindlach schaffte es zum 25. Jubiläum, aus dem Raum Nürnberg ein Bärenkostüm aufzutreiben und die Anekdote aus dem Jahr 1886 vom Bindlacher Bären wieder aufleben zu lassen.

Was damals passierte

Was soll damals im Handwerker- und Bauerndorf Bindlach geschehen sein? Tatsache oder Mär? Vor 150 Jahren sind Schausteller mit Tanzbären durch die Orte gezogen, so auch durch das an einer Hauptstraße gelegene Dorf Bindlach. Zu nächtlicher Stunde riss ein plötzliches Geschrei die Bürger aus dem Schlaf: „Der Bär ist los, der Bär ist los!“

Die Männer bewaffneten sich mit Stöcken, Mistgabeln und Vorderladern. Sogar der Ortsgeistliche, ein Vikar, suchte nach dem ausgerissenen Tanzbär auf den Straßen, Weiden und in den Gärten.

Plötzlich fiel ein Schuss und alles rannte zum Vikar, der auf eine Leine mit Bettwäsche zeigte.

Doch nach näherem Betrachten stellte sich blamabel heraus, dass der Vikar eine harmlose, braune Kuh mit einem Bettlaken auf dem Kopf erlegt hatte. Die „Verwechslungsjagd“ war zu Ende. Aus dieser Zeit stammt auch die scherzhafte, aber gleichzeitig auch Respekt einflößende Namensgebung der „Bindlicher Bären“ , besonders der TSV-Fußballer.

Aus der Feder von Gerhard Grieshammer stammt auch das köstlich erheiternde Bären-Schauspiel, das beim Rathausplatzfest 1998 von der TSV-Theaterabteilung vor etwa 1000 Zuschauern aufgeführt wurde. Zwei Jahre vorher konnte mit Unterstützung der Gemeinde ein neues, stattliches Bärenfell angeschafft werden.

Der Bär ist kein schlechtes Markenzeichen, denn er steht für Stärke, Mut und Zusammenhalt und ziert die Trikots und Vereinswimpel des TSV und des Sportkegelclubs SKC Steig. Zur aktiven Zeit von Schoberth-Bräu waren die Bierdeckel mit der Bärenfigur bedruckt. Auch die Bindlacher Geschäftswelt schmückt sich mit dem Namen des Zottelbären: von der Bären-Apotheke über die Bärenbäckerei bis hin zum Bäreneinkaufszentrum am Legengraben. Sogar einen Bärensekt kann man sich schmecken lassen. Der Obst- und Gartenbauverein benannte seine beiden Nachwuchsgruppen als „Himbären“ und „Erdbären“, als tierische Anlehnung an das heimliche, ungekrönte Wappentier der Gemeinde. pr

Verlagsbeilage NK vom Freitag, 13. Dezember 2019, Seite 54 (10 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE